Kinder und Glück

Kind lächelt in die Kamera

Macht Fernsehen glücklich?

Wenn Fernsehmacher:innen − wie wir − ein Special zum Thema Glück planen, kommt natürlich auch die Frage auf, ob Fernsehen glücklich machen kann. Die Antwort liegt auf der Hand: Fernsehen kann nur kurzfristig befriedigen, informieren und Anregungen für den Alltag liefern. Kinder bezeichnen sich meist selbst als glücklich, wenn sie Sendungen schauen, die sie mögen. Studien belegen jedoch eindeutig: Vielgucker:innen sind unglücklicher als Menschen, die ihre Freizeit mit anderen Aktivitäten füllen. Kinder entwickeln sich besser, wenn ihr Fernsehkonsum beschränkt ist und sie ihr Leben täglich aktiv gestalten.

Und trotzdem machen wir aus Überzeugung Kinderfernsehen. Denn wir wollen genau das: Kleinen Kindern Anregungen für ihren Alltag geben und sie ermuntern mit offenen Augen die Welt zu entdecken. Sie sollen lernen, selbstbestimmt und kritisch mit Medien umzugehen.

Was brauchen kleine Kinder, um glücklich zu sein?

Ein selbst gemaltes Bild von Leonhard zeigt den Elefanten und den Hasen.

 

Studien zur Lebenszufriedenheit von Kindern zeigen einheitlich, dass die meisten Kinder in Deutschland sich selbst als zufrieden und glücklich bezeichnen. Was aber brauchen Kinder ganz allgemein, damit sie sich gesund entwickeln und glücklich aufwachsen? Dass sichere, in sich ruhende und zufriedene Erwachsene aus ihnen werden? Glück ist komplex, vielschichtig und vor allem sehr individuell. Es gibt jedoch ein paar „Glücksregeln“, die mehr Freude in den Familienalltag bringen:

Das Allerwichtigste, damit Kinder sich wohl fühlen, ist mindestens eine erwachsene Bezugsperson. Aus der Resilienzforschung wissen wir, dass selbst Kinder, die traumatische Erfahrungen erlebt haben, diese besser und teilweise sogar beeindruckend gut bewältigen, wenn sich in ihrem Umfeld mindestens eine Bezugsperson findet, die immer ein offenes Ohr hat, Trost spendet und liebevoll auf das Kind eingeht. Dazu gehört auch, dass sich das Kind der Liebe dieser Person sicher ist, selbst wenn es sich einmal daneben benimmt. Das heißt keinesfalls, dass man das Fehlverhalten nicht als solches anspricht. Meist finden Kinder diese Bezugsperson in der Familie. Hier interessiert sich jemand für Ihre Gefühls- und Erfahrungswelt und zeigt bei Problemen angemessene Lösungswege auf. Aber auch andere Personen können diese Rolle übernehmen.

Kleine Kinder lernen mit allen Sinnen. Sie setzen dabei grundlegend und elementar ihren ganzen Körper ein. Barfuß auf der Wiese laufen; flüssigen und breiigen Matsch durch die Finger gleiten lassen; den Duft von frisch gewaschener Wäsche schnuppern; spüren, wie der Wind beim Fahrradfahren an den Armhaaren kitzelt. Jede Körperzelle nimmt Impulse auf und verankert sie als großen Erfahrungsschatz im Gehirn. Im Alter von drei bis sechs Jahren ist das Gehirn auf „Lernen“ programmiert. Dies zeigt sich neurologisch an einer deutlichen Volumenzunahme derjenigen Hirnregionen, die für die Konzentration und das Durchführen von Handlungen zuständig sind. Hier entsteht eine riesige Ansammlung von Nervenzellenverknüpfungen, die bis zur Pubertät nur dann erhalten bleiben, wenn sie auch regelmäßig genutzt werden. Die Volumenzunahme des Gehirns erklärt u.a. auch den unbändigen Wissensdurst und den fast unstillbaren Beschäftigungsdrang kleiner Kinder. Sie freuen sich über ein Umfeld, in dem sie ihrer Neugier nachgehen können und es Erwachsene gibt, die ab und an auch mal ein Auge zudrücken. Ein kleines Kind, das den Abwasch ganz alleine erledigt, hinterlässt wahrscheinlich eine kleine Überschwemmung in der Küche. Es lernt dabei aber nicht nur, wie man Geschirr spült, sondern auch wie sich Wasser verhält, wenn man etwas hineinplumpsen lässt, dass Spülmittel Schaumblasen bildet und Geschirr an der Luft trocknet - Wasser also verdunstet. Das Kind fühlt sich zudem kompetent und schafft damit eine gute Grundlage, sich neuen Erfahrungsgebieten zu öffnen.

Kinder wollen mitbestimmen. Nur so lernen sie Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Selbst gemachte Erfahrungen verankern sich besser im Gehirn und helfen, den eigenen Handlungsspielraum einzuschätzen. Erwachsene bauen zu Kindern Vertrauen auf, wenn sie ihnen zeigen, dass Verbote nicht einengen, sondern manchmal auch einen Sinn haben (zum Beispiel, wenn etwas wirklich gefährlich ist). Kinder, auf deren Wünsche eingegangen wird und die begründet bekommen, warum etwas mal nicht geht, sind glücklicher als Kinder, die vielen unverständlichen Verboten unterworfen sind.

Klare Regeln schaffen Vertrauen und Sicherheit. Ein Kind, das jeden Tag aufs Neue verhandeln muss, ob es zum Beispiel Süßigkeiten kriegt oder nicht, ist täglich gestresst. Feste Vereinbarungen, die die Wünsche der Kinder mit einbeziehen, helfen ihnen maßvolle Selbstregulierung zu üben. In einer guten und gelassenen Atmosphäre sind Kinder zudem eher in der Lage neue Lösungsstrategien, Verhaltensmuster und Erfahrungen im Gehirn zu verankern. Verängstigte und gestresste Kinder greifen eher auf alte und bekannte Muster zurück. Es fällt ihnen schwerer, sich neues Wissen anzueignen und neue Handlungskompetenzen zu entwickeln. Unnötige Strafen und Verbote engen Kinder ein und hindern sie, sich frei zu entfalten.

Kleine Kinder sind Meister darin, sich im Hier und Jetzt zu verlieren und ganz in ihrem Tun zu versinken. Erwachsene kennen diese „Flow-Erlebnisse“ als beglückende Quelle. Kinder erleben sie fast täglich, wenn man sie lässt! Ein vollgepackter Wochenplan mit Terminen und Verpflichtungen ist hinderlich für die wertvolle und urkindliche Erfahrung etwas ohne Zeitdruck zu tun. Einen ganzen Nachmittag lang Sandburgen bauen, mit der besten Freundin „Vater, Mutter, Kind" spielen oder einfach mal dösen und die vorbeiziehenden Wolken beobachten. Solche Phasen der Entspannung geben Kraft für anstrengendere Zeiten.

Die Wünsche der Kinder ernst zu nehmen heißt nicht, sie immer und sofort zu erfüllen. Kinder, die gelernt haben, dass sie nicht alles haben können und die auch mal warten können, sind im späteren Leben nachgewiesenermaßen erfolgreicher. Mit jedem Wunsch, der sofort erfüllt wird, nimmt man dem Kind die schöne Erfahrung der Vorfreude.

Sich austoben zu können, macht Kinder glücklich! Erwachsene, die regelmäßig Sport treiben, wissen, wie aufmunternd Bewegung sein kann. Sport macht einfach gute Laune! Das ist auch bei Kindern so − sie brauchen es sogar, sich regelmäßig austoben zu können. Beim Tanzen, Balancieren oder der Rollerralley im Park lernen sie ihren Körper kennen, Risiken richtig einzuschätzen und haben die Möglichkeit Energie abzuladen. Ein Kind mit Bewegungsmangel ist unausgeglichen und schlecht gelaunt.

Kinder brauchen Herausforderungen. Denn wer an sich selbst entdeckt hat, was er besonders gut kann und was eher nicht, steckt sich selbst realistischere Ziele und ist zufriedener mit seinem Leben. Die Förderung von Selbsteinschätzung und Selbstbewusstsein sind notwendige Prozesse für ein gesundes Heranwachsen. Zum ersten Mal in eine Baumkrone zu klettern oder mal ohne Erwachsenen Brötchen kaufen gehen, ist für Kinder eine beglückende Erfahrung. Es ist einfach ein tolles Gefühl, etwas ganz alleine geschafft zu haben! Das macht sie stark und mutig, Neues auszuprobieren. Die Erfahrung über sich selbst hinauszuwachsen ist ein wichtiger Motor.

Kinder brauchen andere Kinder. An oberster Stelle der beliebtesten Freizeitaktivitäten, steht bei Kindern das Zusammensein mit Freunden. Freundschaften folgen gleich nach der Familie, wenn Kinder begründen sollen, welche Faktoren für ihre Zufriedenheit bzw. ihr Glück verantwortlich sind. Freunde sind Spielkameraden, Zuhörer, Ratgeber, bringen neue Ideen ein und bieten Kindern die Möglichkeit, Konflikte auf Augenhöhe auszutragen. Kein Erwachsener kann einem Kind das bieten, was es durch den Umgang mit anderen Kindern erfährt!

„Mit Mama schmusen ist Glück!" In fast jeder Studie, in der Kinder zu ihren Glücksgefühlen befragt werden, sagen sie Sätze wie diese. Ein gutes Familienklima ist ein wichtiger Glücksfaktor. Dabei ist nicht entscheidend, wie viel Zeit miteinander verbracht wird, sondern wie diese Zeit gefüllt wird. Ein kleiner Familienausflug; vielleicht ein Urlaub; etwas, was das Kind gerne macht, gemeinsam tun. Mit Oma und Opa in den Schrebergarten fahren oder mal mit Papa ganz alleine eine Fahrradtour unternehmen. In solchen und ähnlichen Momenten erleben Kinder Glück! Aber auch das Eingebundensein in familiäre Abläufe macht gerade kleine Kinder stolz und glücklich. Wenn sie für ihre Hilfe gelobt werden und ihnen von ihren Eltern Anerkennung entgegengebracht wird, unterstützen sie diesen Effekt. Die Windel zukleben, wenn der kleine Bruder gewickelt wird, die Suppe mit Salz abschmecken, einen Nagel in die Wand hauen oder fürs Blumengießen verantwortlich sein... − der Alltag bietet unbegrenzte Möglichkeiten.

Spezial-Folge Glück der Sendung mit dem Elefanten

In unserer Elefantenfolge zum Thema Glück kommen viele Kinder zu Wort und erzählen von eigenen Glücksmomenten. Schauen Sie sich die Sendung gemeinsam an und nutzen Sie die Gelegenheit in Ihrer Familie über Glück zu sprechen. Wir freuen uns, wenn unsere Beiträge Ihr Kind dazu anregen, selbst aktiv und sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu werden.

Quellen
  • ● Bucher, A.: Was Kinder glücklich macht? Eine glückspsychologische Studie des ZDF. In: Markus Schächter (Hg.): Wunschlos glücklich? Konzepte und Rahmenbedingungen einer glücklichen Kindheit. Baden-Baden: Nomos 2009, S. 85, S. 103
  • ● Bucher, A.: Was Kinder glücklich macht? Eine glückspsychologische Studie des ZDF. In: Markus Schächter (Hg.): Wunschlos glücklich? Konzepte und Rahmenbedingungen einer glücklichen Kindheit. Baden-Baden: Nomos 2009, S. 94-195
  • ● 2. Word Vision Kinderstudie 2010, http://www.worldvision-institut.de/kinderstudien-kinderstudie-2010.php, 06.09.2013