Kinder & digitale Technologien

Ein Kind sitzt auf einer Couch und hat ein Handy in der Hand

Digitale Technologien – auch für kleine Kinder heute schon normal

Das Internet, Smartphones, Tablets & Co sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. In nahezu allen Familien sind ein Internetzugang sowie entsprechende digitale Geräte vorhanden. Kinder der sogenannten Generation alpha, geboren also zwischen 2010 und 2025, wachsen wie selbstverständlich mit digitalen Technologien und Wischen am Touchscreen auf und kennen kein Leben mehr ohne. Laut einer österreichischen Studie aus dem Jahr 2019 benutzen 72 % der Kinder zwischen null und sechs Jahren digitale Medien, rund ein Viertel davon bereits täglich. Der erste Kontakt mit internetfähigen Geräten gibt es dabei im Schnitt mit zwölf Monaten. Spielen Lesen und Fernsehen bei den ganz Kleinen noch eine wichtige Rolle, so verschiebt sich dies immer mehr in Richtung der Nutzung von digitalen Geräten und Anwendungen, je älter die Kinder werden.

Wenig Studien zur Nutzung digitaler Medien von Vorschulkindern

Bezogen auf die Nutzung der „klassischen“ Medien wie Fernsehen und Radio gibt es einige Untersuchungen, die sich der Zielgruppe der Vorschulkinder widmen. Etwas schwieriger wird es, wenn es um Studien geht, die sich mit der digitalen Mediennutzung von Kindern unter sechs Jahren beschäftigen.

Ein Grund dafür liegt sicherlich in der noch nicht vorhandenen Lesefähigkeit, die eine Grundvoraussetzung für das Nutzen der meisten Onlineangebote ist. Für Vorschulkinder sind zudem die typischen Möglichkeiten des Internet, wie Informationsbeschaffung für die Schule, Downloads und vor allem die Kommunikation über Chats und E-Mails noch wenig relevant. Sie interessieren sich eher für Spiel- und Lernangebote, die Themen aus ihrem Alltag aufgreifen und ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Die Seite mit dem Elefanten und die ElefantenApp sind Onlineangebote, die ganz gezielt für Vorschulkinder entwickelt wurden. Klar ist aber, dass der allgemeine Trend hin zum zeit- und ortsunabhängigen Sehen und Hören auch schon bei den Kleinsten vorzufinden ist. Die Lieblingsserien werden nicht mehr nur im Fernsehen geschaut, sondern eben in der Mediathek oder bei Youtube. Und das immer weniger am heimischen PC, sondern auf dem Smartphone oder Tablet der Eltern.

Wir werden hier nach und nach aktuelle Forschungen rund um die Themen Mediennutzung von Vorschüler:innen und der Generation alpha vorstellen.

 

Digitale Medien im Kindergarten

Screenshot vom Computerspiel: Ballonspiel

Das Spiel in der Gruppe fordert die Kinder heraus, gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen. Sie müssen sich beispielsweise beim Bedienen der Maus abwechseln und erklären sich gegenseitig Funktionen und Handhabung der Hard- und Software. Darüber hinaus sind einige Spiele auch so konzipiert, dass sie von mehreren Kindern gemeinsam gespielt werden können.

Die Kinder lernen kleine Frustrationserlebnisse auszuhalten, sowie Geduld und Ausdauer zu trainieren. Sie müssen neugierig sein um Lösungen zu finden und erfahren Freude und Stolz bei Erfolgserlebnissen.

Recht schnell lernen Kinder die nötige Hand-Auge-Koordination zum Bedienen von Tastatur und Maus. Je nach Spielinhalt werden zudem Sprachvermögen, Orientierungssinn, Kombinationsvermögen, Konzentration und Problemlösungskompetenzen gefördert.

Es wurde festgestellt, dass die Kinder mit Fantasie und Kreativität auf die Angebote reagierten: Ob durch Mitsingen, Tanzen, Nachspielen oder durch das Ausdrucken und Verwerten von Bildern, die am Computer gemalt wurden.

Kinder sind beim Computerspielen aktiv

Bei den Beobachtungen der Kleingruppen fiel in allen Untersuchungen auf, dass die Kinder ein sehr aktives Nutzungsverhalten zeigten. Der Einsatz des PCs in Kindertageseinrichtungen führte nicht zu Isolation und Vereinsamung, sondern eher zu Kommunikation und Kooperation in der Gruppe. Auch andere Tätigkeiten wurden durch das PC-Angebot nicht vernachlässigt und die übrigen Spielangebote ebenso rege genutzt.

 

Natürliches Interesse für das Medium

In ihrer natürlichen Neugier nehmen kleine Kinder ihre Umwelt so auf, wie sie ist. Dabei unterscheiden sie zunächst nicht zwischen natürlichen und von Menschenhand gemachten Dingen. Ein Auto steht für sie beim Weltentdecken auf der gleichen Ebene wie beispielsweise ein Baum. Dementsprechend gehören auch Medien für Kinder zum „natürlichen“ Alltag und wecken ihre Neugier. Kinder müssen erst noch lernen, dass der Computer ein vom Menschen gemachtes und von ihnen beeinflussbares Medium ist. Vor allem jüngere Kinder neigen dazu, Dingen und Maschinen menschliche oder tierische Eigenschaften zuzuordnen. Sie sind noch nicht in der Lage zu erkennen, dass die vom Menschen gesteuerte Programmierung des Computers dafür verantwortlich ist, wie er reagiert. Vor allem Spiele, die verbale Rückmeldung auf das Verhalten des Spielers geben, werden von Kindern schnell mit menschlichen Begrifflichkeiten beschrieben. An der Stelle setzt auch das medienübergreifende Angebot von Programmieren mit dem Elefanten an, das spielerisch den Einstieg in das Thema vermittelt.

 

Intuitives Entdecken

Screenshot vom Startbild der Elefantenseite

Geführt durch ihre natürliche Neugier können sich kleine Kinder den Umgang mit Maus und Tastatur sowie die Funktionsweise des jeweiligen Spiels selbst aneignen. Sie entwickeln mehr Lösungskompetenz und Kreativität, wenn man ihnen die Möglichkeit lässt, einige Funktionen selbst zu entdecken. Die Seite mit dem Elefanten ist für diese Art des Entdeckens konzipiert und bietet Vorschulkindern die Möglichkeit, ganz intuitiv erste Schritte ins Internet zu machen.

 

Elementare Erfahrungen fördern

Auch wenn die Forschungsergebnisse zeigen, dass digitale Technologien die Entwicklung von Kleinkindern fördern können, benötigen gerade kleine Kinder direkte Erfahrungen für ein gesundes Aufwachsen. PC, Tablet, Smartphone und Co. können die Wirklichkeit nur imitieren und dürfen das Spielen und Toben in der realen Welt nicht ersetzen. Auch digitale Medien sollten von Vorschulkindern nur mit zeitlichen Grenzen und begleitet von Erwachsenen genutzt werden.

 

Quellen

■ Braun, Daniela: Lasst die Kinder an die Maus! Wie Kinder in der Kita mit Computern umgehen. Freiburg 2000

■ Fritz, Jürgen: Spiele fördern, was sie fordern, www.bpb.de/themen/OTA84M.html, 04.03.2009

■ KIM-Studie 2020. Kindheit, Internet, Medien. Stuttgart 2021

■ Neuß, Norbert: Computereinsatz in Kindertagestätten, erschienen in: Medien praktisch (2) 2001, S. 19-23.

„Die Allerjüngsten und digitale Medien“, https://www.saferinternet.at/news-detail/neue-studie-72-prozent-der-0-bis-6-jaehrigen-im-internet/

■ ARD/ZDF Onlinestudie 2020: https://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2020/2020-10-12_Onlinestudie2020_Publikationscharts.pdf

Palme, Hans-Jürgen: Computern im Kindergarten. Was Kinder am Computer spannend finden und wie Erzieherinnen damit umgehen können. München 1999