Diversität

Illustration buntes Haus mit diversen Menschen darin und davor

Was heißt Diversität eigentlich?

Diversität bedeutet Vielfalt. Im Besonderen meint es die Vielfalt aller Menschen. Der häufig benutzte englische Ausdruck diversity kommt aus der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre. In den 1990er Jahren kam der Diversity-Ansatz nach Deutschland und möchte erreichen, dass alle Menschen in ihrer Einzigartigkeit Teil unserer Gesellschaft sind und wertgeschätzt werden. Die Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen setzt sich aus vielen unterschiedlichen Merkmalen zusammen, einige dieser Merkmale kann man den folgenden sieben Bereichen zuordnen. Menschen erfahren aufgrund einem oder mehreren dieser Merkmale Diskriminierung.

Sieben Bereiche der menschlichen Persönlichkeit

Über Menschen unterschiedlicher Generationen und besonders alte sowie junge Menschen gibt es viele Vorurteile, die ihnen das Leben erschweren. Ältere Menschen werden oft als schwach und nicht sehr leistungsfähig eingeschätzt, jüngeren Menschen wird weniger zugetraut und sie werden unterschätzt. Altersdiskriminierung können bleidigende Kommentare, aber auch Regeln oder Vorschriften sein, die alte, junge und Menschen in einer bestimmten Lebensphase ausschließen oder benachteiligen. Im Privatleben und auch in der Arbeitswelt kann man allerdings oft erfahren, dass alte und junge Menschen viel voneinander lernen können und wie wichtig beispielsweise Großeltern für die Enkelkinder sind.

Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Sprache abgewertet, ausgegrenzt oder auch angegriffen. Das nennt man Rassismus; dahinter liegt die Vorstellung, dass es biologische Unterschiede gäbe, die eine Ungleichwertigkeit begründen und gar rechtfertigen. Die Zuschreibung von Merkmalen oder auch Charakterzügen zu einer ethischen Herkunft oder auch Nationalität führen oft zur Ausgrenzung. Teilweise findet diese Ausgrenzung unbewusst statt und der Diversitäts-Diskurs kann dabei helfen, sich über die eigenen Denk- und Verhaltensmuster bewusst zu werden, sie zu hinterfragen und abzubauen.

Viele der Menschen, die von Rassismus betroffens sind bezeichnen sich selbst als PoC, also People of Color oder auch Schwarz (mit großem S, denn es ist nicht das Adjektiv gemeint). Hier geht es nicht um Hautfarben, sondern die strukturelle Ausgrenzung von Menschen bestimmter Gruppen (Communities).

Die geschlechtliche Identität bezeichnet das eigene Zugehörigkeitsgefühl zu einem oder mehreren Geschlechtern. Sie muss nicht mit dem zugewiesenen Geschlecht bei der Geburt übereinstimmen. Wenn sich das zugeordnete Geschlecht passend anfühlt, kann man sich als cis bezeichnen. Stimmt das nicht überein, kann man sich als transgender oder transident bezeichnen. Wenn das körperliche Geschlecht nicht eindeutig ist, spricht man von inter(geschlechtlich). Menschen, die sich nicht (nur) als weiblich oder männlich bezeichnen, nennen sich nicht-binär oder genderqueer.

Die Diskriminierung über das Geschlecht beginnt schon dort, wo andere versuchen, eine Zuordnung vorzunehmen. Es führt sich fort in der Benachteiligung von Frauen in verschiedensten Bereichen und das Nicht-Mitdenken von Menschen, die nicht in die Unterteilung Mann-Frau passen oder passen wollen. Geschlecht ist so einzigartig wie der Mensch selbst.

Die geschlechtliche Identität hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun und darf nicht verwechselt werden. Wer ich bin und wen ich attraktiv finde, sind unterschiedliche Dinge. Und auch das ist so individuell wie die Menschen selbst. Die meist genutzten Begriffe sind heterosexuell (Menschen, die sich zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen), homosexuell (fühlen sich zum eigenen Geschlecht hingezogen), bisexuell (Männer und Frauen sind attraktiv), pansexuell (lieben den Menschen an sich, unabhängig vom Geschlecht), als asexuell bezeichnen sich Personen, die gar keine sexuelle Anziehung empfinden, allg queer nennen sich zumeist Menschen, die die Einteilung in zwei Geschlechter für sich ablehnen und als nicht wichtig erachten.

Knapp jeder vierte Mensch in Deutschland lebt mit Behinderung und/oder chronischen Krankheiten, und ist sehr oft deshalb von der Gesellschaft ausgeschlossen: Häufig stoßen sie auf Schwierigkeiten bei der Fortbewegung im Alltag, im Berufsleben oder auch bei Versicherungstarifen und -Prämien. Menschen sind nicht "behindert", sondern sie werden im Alltag durch ihr Umfeld und den vielen Barrieren, die ihnen dort begegnen, behindert. Das beschreibt der Begriff Ableismus. Die Menschenrechte gelten für alle Menschen und wenn nicht alle Menschen Zugang zu allen gesellschaftlichen Bereichen bekommen, ist das Diskriminierung. Das kann eine fehlende Rampe, eine fehlende Übersetzung in Gebärdensprache oder auch die Verweigerung eines Schulplatzes oder einer Arbeitsstelle aufgrund der Behinderung sein.

Behinderungen sind nicht immer sichtbar, das trifft auch auf die meisten chronischen Krankheiten (wie Asthma, Adipositas, Migräne, HIV oder Diabetes) zu. Das wichtigste Mittel, diese Menschen als gleichwertigen Teil der Gesellschaft zu sehen, ist Inklusion. Alle Menschen gehören dazu und sollen befähigt werden, so selbstbestimmt wie möglich ihr Leben zu leben.

Alle Bürger:innen haben das Recht auf freie Religionsausübung. Auch hier ist Diskriminierung leider Alltag und häufig erstreckt sich die Benachteiligung auch auf die ethnische Herkunft, zum Beispiel wenn es um Frauen mit Kopfbedeckungen geht. Oft wird die Sichtbarmachung der Religion (beispielsweise über das Tragen bestimmter Kleidungsstücke oder religiöser Symbole) angegriffen, aber auch das Nicht-Berücksichtigen von religiösen Feiertagen bei der Arbeitsstelle sind Diskriminierung. Dazu zählt zum Beispiel der Antisemitismus als Feindschaft gegenüber jüdischen Menschen oder antimuslimischer Rassismus gegenüber Menschen muslimischen Glaubens.

Die soziale Herkunft meint, aus welcher Bildungsschicht ein Mensch kommt. Das ist zwar kein äußeres Merkmal, dennoch spielt überwiegend die Herkunft aus sozial schwierigen Verhältnissen (aufwachsen mit wenig Zugang zu Bildung, wenig Geld und dadurch wenig Möglichkeiten) eine Rolle, wenn es um Zukunftschancen für junge Menschen geht. Kinder aus prekären Verhältnissen wird der Zugang zu schulischer Unterstützung oft erschwert. Auch Lehrer:innen haben bei der Beurteilung von Kindern aus armen Familien Vorurteile und so bleibt die Chance auf einen höheren Schulabschluss oft verwehrt. Ähnlich ist später die Lage auf dem Arbeitsmarkt: Sozialer Aufstieg ist viel schwerer als sozial abzusteigen. Diese Form der Diskriminierung nennt man Klassismus.

Bunte Elefanten in einer Reihe

Vielfalt mit Kindern leben

Frau Dr. Madubuko, Diversity Trainerin, Autorin und Dozentin spricht hier über Vielfalt in der Erziehung. Sie möchte Eltern helfen, ihre Kinder so zu erziehen, dass ihnen Vorurteile bewusst sind und sie Vielfalt wertschätzen können. Denn die Eltern und andere Bezugspersonen legen den Grundstein und haben großen Einfluss auf ihre Kinder mit ihrer eigenen Sichtweise auf andere Menschen. Dr. Madubukos Schwerpunkt liegt auf Empowerment für Eltern, deren Kinder von Rassismus betroffen sind. Sehen Sie im Video, welche Dinge für den Blick auf Diversität in der Entwicklung der Kinder wichtig ist.

Dr. Nkechi Madubuko, warum ist Erziehung zur Vielfalt so wichtig?

Wir müssen uns klarmachen, dass wir alle in einer dominanten Kultur leben, die Menschen in einer einseitigen Art und Weise zeigt. Kinder lernen anhand der Botschaften, die sie in ihrem Umfeld sehen. Sie lernen so auch: wie werde ich in der Gesellschaft gesehen, wie werden andere gesehen? Sie lernen auch, welche Bedeutung es hat, dass man laufen kann, dass man die Sprache spricht − auch auch: Welche Sprache ist anerkannt, welche nicht? So entwickeln Kinder ihre ersten Vorurteile, die wir ja auch als Erwachsene haben und in Äußerungen über andere Menschen vermitteln. Es geht darum, hier eine Feinfühligkeit zu entwickeln und Kindern zu zeigen, dass wir unterschiedliche sind, diese Unterschiede aber nicht zur Ausgrenzung führen müssen. Sondern dass es Empathie für diese Unterschiede gibt und wir immer wieder auf Gemeinsamkeiten zurückkommen sollten.

Wie kann Vielfalt in der Erziehung konkret aussehen?

Unterschiede mitdenken:

Ich kann nicht immer davon ausgehen, dass alle aussehen wie ich. Es ist überhaupt nicht so, dass alle Menschen weiß sind, es gibt so viele Hauttöne. Es sprechen auch nicht alle Menschen deutsch, es gibt so viele unterschiedliche Sprachen auf der Welt. Es muss auch nicht jeder ein Brötchen zum Frühstück essen, es gibt auf der Welt die unterschiedlichsten Dinge zum Frühstück − alles das darf es geben. Und vor allem heißt es nicht, dass jemand etwas Besseres ist als jemand anderes.

 

Sprechen und Vorleben:

Wenn sich die ersten Vorurteile bemerkbar machen, muss man das kommentieren. Wenn ein Kind sagt: "Ih, mit dem will ich nicht spielen" muss man das im Gespräch mit dem Kind klären. Man sollte Kindern das soziale Miteinander mit vielfältigen Kontakten ermöglichen. Und sich selbst offen gegen Diskriminierung einsetzen und dem Kind damit zeigen: das ist das richtige Verhalten. Und das Kind auch zu loben, wenn es sich für andere einsetzt. Das ist auch die Bedeutung des folgenden Zitats von Dr. Nkechi Madubuko:

Ich kann nur Mensch sein, wenn du es bist.

Dr. Nkechi Madubuko

Dr. Nkechi Madubuko

Und wenn die eigenen Kinder Rassismus ausgesetzt sind?

Eltern können ihren Kindern mit Empowerment zur Seite stehen. Das heißt ihnen Selbstermächtigung und Selbstbefähigung vermitteln, sie emotional stärken und mit Wissen versorgen, um Diskriminierung etwas entgegenzusetzen. Das Kind braucht ein Zuhause, das ein Schutzraum ist, in dem die eigenen Zugehörigkeit klar ist und es über seine Erfahrungen reden kann, ohne dass sie heruntergespielt oder weggeredet werden. Empowerment kann auch über Materialen und Bücher, die Diversität abbilden, unterstützt werden.

Diverse Ausstattung im Kinderzimmer

Ein wichtiger Bestandteil des Aufwachsens sind die Dinge, mit denen sich Kinder umgeben und mit denen sie spielen. Jedes Kind möchte sich im Spiel wiedererkennen können und daher gibt es immer mehr Angebote zu Puppen, die etwa Behinderungen oder verschiedene Hautfarben haben. Auch im Bereich Bücher hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan und man kann viel mehr Geschichten und Bilder finden, die niemanden ausschließen und dadurch vermitteln: Du, der du dieses Buch liest, gehörst nicht dazu. Um die Klischees über Mädchen und Jungen nicht weiter zu fördern, kann man auch bei der Kleidung der Kinder und den Spielsachen darauf achten, dass sie nicht nur für Jungs oder nur für Mädchen sind. Bekannt sind mittlerweile auch die Hautfarben-Stifte, mit denen man den kleinen Denk-Anstoß bekommt, dass Hautfarbe nicht nur hellrosa, sondern viele verschiedene Farben sind. Auch Pflaster gibt es mittlerweile in unterschiedlichen Hauttönen, damit sie nicht nur zu einer, nämlich heller Haut, passen. So gibt es viele weitere Produkte, die alle Kinder abbilden. Es lohnt sich, danach zu suchen.

Diversität mit dem Elefanten

Die Sendung mit dem Elefanten hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern die Welt auf Augenhöhe möglichst bunt und in all ihren Facetten zu zeigen.

Das Bewusstsein für eine diverse Gesellschaft war allerdings nicht immer so groß wie jetzt. Die Sichtweise auf dieses wichtige Thema hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Da es sich bei der Sendung mit dem Elefanten um ein Repertoire-Programm handelt, was bedeutet, dass auch alte Folgen (aus den Jahren ab 2007) regelmäßig wiederholt werden, sind auch immer wieder Folgen dabei, die wir aus heutiger Zeit so nicht mehr produzieren würden. Daher prüfen wir unsere Inhalte immer wieder kritisch. Wir als Redaktion befinden uns im Prozess, das Programm immer diverser zu gestalten und lernen ständig neu dazu. Aus diesem Grund freuen wir uns auch immer über Rückmeldungen und Anregungen unser Zuschauer:innen!

Wir wollen die Welt der Kinder nicht bewusst inszenieren, sondern selbstverständlich und natürlich das zeigen, was wirklich im Leben stattfindet. Wenn wir Freund:innen zeigen, dann handelt es sich im wahren Leben um Freund:innen, wir casten keine Kinder und inszenieren sie nicht für unsere Zwecke. Darauf legen wir bei unserer Produktion großen Wert. Diversität erfolgt bei der Sendung mit dem Elefanten über die Gesamtsumme der Beiträge.

zwei Kinder spielen an einem Bach mit Stöcken und Papierbötchen

 

Zudem ist es manchmal der Fall, dass man die Diversität einer Kindergruppe nicht sofort sehen kann, häufig ist die Gruppe dennoch sehr divers zusammengestellt − nur eben nicht auf den ersten und schnellen Blick sichtbar. Wir wissen, dass es gerade für unsere jungen Zuschauer:innen auch wichtig ist, WAS sie sehen und daher arbeiten wir daran, Diversität in unseren vielen Geschichten sichtbar zu machen. Deshalb haben wir nachfolgend einige Beispiele ausgewählt, die Sie gerne mit den Kindern zusammen anschauen können.

 

Manchmal rücken wir besondere Geschichten in den Fokus. Ein Beispiel dafür ist unsere Spezialsendung „Planet Willi", in der es um Menschen mit Behinderung geht. Konkret um Willi, der das Down Syndrom hat. Seine Mama, Autorin Birte Müller, hat das Buch „Planet Willi" geschrieben, das wir in einer Lachgeschichte filmisch umgesetzt haben.

Auch zum Leben mit Diabetes gibt es eine eigene Folge, die Menschen mit dieser Krankheit sichtbar machen soll und gleichzeitig auch darüber aufklärt.