Der Blaubär-Erfinder
Walter Moers
Zu einer Zeit, als ich längst schon alle sieben Weltmeere wie meine eigene Westentasche kannte, wurde Klein-Walter geboren. 1957. In Mönchengladbach. Das ist so ein winziges Städtchen irgendwo östlich von Holland und westlich von Deutschland. Als Kind wollte Walter Pfarrer werden. Unglaublich, wenn man ihn heute kennt, aber wahr. Im Laufe seiner Schulzeit ist ihm dieser Wunsch auch abhanden gekommen - genauso wie der Traum, eine sprechende Tapete zu sein. Denn seine wahre Liebe gehörte von klein auf dem Zeichnen. Es wird gemunkelt, er habe bereits als Säugling nur zu schreien aufgehört, wenn man ihm einen Bleistift und ein Blatt Papier in die Hand drückte. Der jugendliche Walter zeichnete, wo er ging und stand. Am liebsten Comics, und bald brachte er einen Comic nach dem anderen unters Volk. Bekannt wurde Walter mit seiner Comicfigur "Das kleine Arschloch", dem er auch ein Buch widmete. "Das kleine Arschloch" wurde 1990 zum besten Comic des Jahres gekürt und in mehrere Sprachen übersetzt. Das war der große Durchbruch für Walter, und nicht nur für "Das kleine Arschloch" hat er alle möglichen Comic-Preise eingeheimst. Doch eines fehlte ihm noch zum Glück und das war ich. Als er eines Nachts mal wieder grübelnd am Hamburger Hafenkai saß, machte ich dort zufällig einen Zwischenstopp. Neugierig, wie Walter nun mal ist, wollte er alles über meinen Kutter wissen und wir kamen ins Gespräch. Eine ganze Nacht lang habe ich ihm von meinen Seeabenteuern berichtet. So wurden wir Freunde. Als er meine Geschichten aufgeschrieben hatte, bekam Walter denn auch zahlreiche Preise, sogar den "Adolf-Grimme-Preis". Das ist die höchste deutsche Fernsehauszeichnung überhaupt. Selbstverständlich sind mein Leben und das vom "Kleinen Arschloch" auch für die Kinoleinwand verfilmt worden. Ja, und weil mein Freund Walter nicht genug von meinen Abenteuern kriegen konnte, hat er irgendwann angefangen, einen dicken Roman zu schreiben. Der hieß "Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär". Das hat ihm so einen Spaß gemacht, dass er sich gleich weitere Romane ausdachte: "Ensel und Krete" und "Wilde Reise durch die Nacht". Und soll ich dir was verraten? Walter hat noch einen Lebenstraum: Er will Bilder zu Goethes "Faust" malen. Nu, da bin ich schon bannig gespannt drauf! Tja, der Walter ist schon ein genialer Kerl! Schließlich habe ich ihn mir ja nicht umsonst ausgesucht, näch.


















