Warum Blaubär lügt
Jeder, der mich kennt, weiß, dass mir schon die winzigste Notlüge tiefstes körperliches Unbehagen bereitet. Das kommt von meiner schweren Jugend. Meine Mutter war nämlich eine Spionin und mein Vater der größte Scharlatan seiner Zeit. Sie hießen Mata Bäri und Rasputin Blaubär. Schon in der Wiege erzählten die mir nichts als Lügen. Auf meiner Schule gab es nur drei Fächer: Lügen, Betrügen und Veräppeln. Jahrelang glaubte ich fest daran, dass eins plus eins gleich 24 sei ... - bis zu dem schrecklichen Tag, an dem meine Eltern wegen Lug und Trug in 4.689.002 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Plötzlich stand ich mutterseelenallein auf der Straße, wo mich ein Lügenfänger auflas und an einen Jahrmarktsdirektor verschacherte. Abend für Abend musste ich nun einem johlenden Publikum die Lügengeschichten meiner frühen Kindheit erzählen.
Kaum erwachsen floh ich von der Gauklerbühne. Weil ich nichts Anständiges gelernt hatte, musste ich jede Arbeit annehmen, die ich kriegen konnte. Ich jobbte als Falschspieler, Gebrauchtwagenhändler, Politiker und Wettervorhersager. Doch nebenher besuchte ich fleißig die Käpitänsschule. Mein Leben änderte sich von Grund auf, als ich endlich zur See fahren durfte. Das raue, aber ehrliche Seebärendasein war genau das, was ich mir immer erträumt hatte.
Es fand ein jähes Ende, als die drei Bärchen meinen Kutter kaperten. Jeden Abend wollten die eine Gutenacht-Geschichte hören! Unversehens war ich wieder im Lügensumpf meiner Jugend gefangen. Wenn das mal kein hartes Schicksal ist!


















