Wie Blaubär zu seiner Farbe kam
Ist euch eigentlich klar, Kinners, dass es auf der ganzen Welt
keinen zweiten blauen Bären gibt? Wieso ich mir da so sicher bin?
Nuja, auch ich sah nicht immer so aus wie heute. Als junger Mann
hatte ich nämlich ein einfaches weißes Fell, weiß, wie ein
unbeschriebenes Blatt Papier. Eines Tages gefiel mir das nicht mehr
und ich zog aus, um etwas Farbe zu bekommen.
Ich nahm die Landstraße in nördlicher Richtung. Auf ihr wanderte
ich immer weiter, bis ich zum Nordpol kam. Da war alles so weiß,
dass ich Mühe hatte meine eigenen Füße zu erkennen. Nur der Himmel
besaß eine andere Farbe und die fand ich gar nicht so übel.
Kurzerhand erzählte ich mit lauter Stimme eine abenteuerliche Lügengeschichte. Ich log, dass das Packeis krachte, ich log, bis den Seerobben Hören und Sehen verging. Zu guter letzt log ich das Blaue vom Himmel herunter. Während ich mir den Mund fusselig redete, tropfte es schließlich wie leuchtend blaue Nachtisch-Soße auf mich hinunter.
Erst als mein Fell ganz durchtränkt war, hörte ich auf zu lügen.
Mein neuer Pelz gefiel mir. Unverzüglich begab ich mich auf den
Heimweg. Unterwegs machte mir jeder, den ich traf, Komplimente über
mein ansprechendes Äußeres. Selbst Papageien und Wellensittiche
erblassten vor Neid, als sie mich sahen.
Tja, und so ist es bis heute geblieben.


















