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"Verkehrserziehung sollte bereits im Vorschulalter ansetzten..."

Hannelore Herlan, Pressesprecherin der Deutschen Verkehrswacht; Rechte: Hannelore Herlan

Frau Herlan, Kindergartenkinder nehmen den Straßenverkehr anders wahr als Erwachsene. Was müssen Eltern wissen, um das Verhalten Ihrer Kinder im Verkehrsalltag richtig einschätzen zu können?

Mit drei Jahren beispielsweise laufen Kinder einfach los, direkt über die Straße, wo auf der anderen Seite der Freund steht, oder wo gerade der Ball hin rollt – ohne links und rechts zu gucken, ohne auf den Verkehr zu achten.

Das ist erklärbar – denn bis zum Alter von ungefähr sieben Jahren lassen sich Kinder in ihrem Handeln stark von Vorstellungen und Gefühlen leiten. Auch nehmen Kinder im Vorschulalter lediglich Eindrücke aus ihrem unmittelbaren Umfeld auf, ohne sie rational zu hinterfragen oder zu werten. Sie sind leicht abzulenken und unterscheiden Wesentliches nicht von Unwesentlichem. Erst nach und nach entwickeln sie die Fähigkeit, wichtige und unwichtige Situationsmerkmale zu unterscheiden und sich auf die entscheidenden Details zu konzentrieren.

Auch das Gefahrenbewusstsein ist bei Vorschulkindern noch nicht ausgebildet; es stellt sich in der Regel erst im Alter von sechs Jahren ein. Dann bildet sich ein vorausschauendes, einschätzendes Denken. Vorher, im Kindergartenalter, erkennen Kinder gefährliche Situationen erst, wenn sie bereits eingetreten sind. Ausreichend Zeit zum Handeln bleibt dann meist nicht mehr.

Was können Eltern tun, um sich in die Situation ihrer Kinder im Straßenverkehr besser hineinzudenken?

Wir raten Eltern, sich einmal „Scheuklappen“ aufzusetzen – so eingeschränkt ist in etwa das Sichtfeld eines Kindes im Vorschulalter. Erst im Teenie-Alter verfügen sie über das komplexe Sehvermögen eines Erwachsenen. Deshalb sehen Kinder nicht das, was Erwachsene aus den Augenwinkeln noch mitbekommen.

Genauso verhält es sich mit der Körpergröße – wir empfehlen folgenden Test: Gehen Sie zwischen zwei parkenden Autos in die Hocke. Sie nehmen die Umwelt jetzt im Sichtfeld eines Kindes wahr. Können Sie rechtzeitig alle Pkw auf beiden Fahrseiten erkennen?

Schon diese beiden kleinen Beispiele machen deutlich, dass der Verkehrsraum auf die Welt der Erwachsenen zugeschnitten ist. Kinder haben im Straßenverkehr andere Probleme als Erwachsene. Deshalb sollten Eltern Rücksicht auf ihre Kinder nehmen und sich Zeit nehmen, um mit ihnen richtiges Verhalten im Straßenverkehr einzuüben.

Ab wann sollte Verkehrserziehung beginnen?

Verkehrserziehung sollte bereits im Vorschulalter ansetzen – denn schon Kindergartenkinder nehmen als Fußgänger, mit dem Roller oder als Mitfahrer im Pkw am Verkehr teil, wenn auch in Begleitung eines Erwachsenen. Für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr müssen nicht nur richtige Verhaltensweisen eingeübt, sondern auch Wahrnehmung, Motorik und Konzentration des Kindes gefördert werden.

Welche Grundregeln sollte man seinen Kindern beibringen?

Im Kindergartenalter steht die Förderung der Grundkompetenzen für eine sichere und selbstständige Verkehrsteilnahme im Mittelpunkt: Wahrnehmung, Reaktion, Bewegungssicherheit und Verständigungsfähigkeit schulen.

Bei der Wahrnehmungsförderung werden Hör- und Sehvermögen geschult und die Unterscheidung zwischen Formen, Farben und Größen trainiert. Eltern können mit ihren Kindern beispielsweise üben, aus welcher Richtung Geräusche kommen.

Zur Bewegungsförderung gehört, seine eigene Geschwindigkeit zu erleben und zu lernen, wie man aus dem Laufen heraus rasch abbremst, stoppt oder beschleunigt.

Die Verständigungsfähigkeit im Straßenverkehr ist von besonderer Bedeutung. Kinder müssen ihre Absichten eindeutig mitteilen können. Auch müssen sie Verständigungszeichen, wie Gestik oder Mimik anderer Verkehrsteilnehmer erkennen und mit ihnen umgehen können. Hält das Auto vor dem Zebrastreifen und erkennt der Fahrer eindeutig, dass ich die Straße überqueren möchte?

Im Kindergartenalter lernen die meisten Kinder das Fahrradfahren und wollen dann am liebsten gleich wie die „Großen“ am Straßenverkehr teilnehmen. Ist das sinnvoll?

Tatsache ist, dass Kinder im Kindergartenalter sich mit dem Rad vorwärts bewegen können, wenn man es ihnen beibringt. Ob dies aber tatsächlich bedeutet, dass sie „Radfahren“ können, wage ich zu bezweifeln. Zum Radfahren gehört die Beherrschung von Mehrfachanforderungen. Stellen Sie sich zum Beispiel einen Abbiegevorgang vor: Geradeaus fahren in einer schmalen Spur, ohne zu schlingern; dabei den Kopf drehen und erkennen, ob von hinten Verkehrsteilnehmer kommen und was diese vorhaben, gleichzeitig Handzeichen geben, dass man Abbiegen möchte und diesen Abbiegevorgang dann auch noch schaffen, ohne dass etwas passiert! Das schaffen Kinder in der Regel erst ab dem 7. oder 8. Lebensjahr.

Eltern sollten Kindern daher nicht zu viel zumuten. Ein kleiner Fahrradausflug am Wochenende, auf verkehrsarmen Straßen, wo das Kind auf dem Gehweg fahren kann, vorne und hinten abgesichert durch Erwachsene und mit genügend Pausen ist mit manchen Kindern möglich, doch müssen dies die Eltern individuell entscheiden.

Was uns sehr am Herzen liegt: Eltern sollten ihren Kindern unbedingt einen guten und passenden Fahrradhelm besorgen, den die Kinder auch gern aufsetzen. Wenn sie mit gutem Beispiel voran gehen und selbst einen Helm tragen, wird es übrigens weniger „Opposition“ gegen das Helmtragen geben und sich als Selbstverständlichkeit im Verhalten einprägen.

Wie muss ein verkehrstaugliches Kinderfahrrad ausgestattet sein?

Verkehrstauglich ist ein Fahrrad dann, wenn es mit folgendem Zubehör ausgestattet ist:

- Klingel

- weißer Reflektor vorn, roter Reflektor hinten, zwei gelbe Reflektoren an den Pedalen

- Dynamo, Lampe vorn und rotes Schlussschlicht

- in den Speichen vorne und hinten zwei „Katzenaugen“ oder umlaufende, reflektierende Streifen an den Reifen,

- zwei voneinander unabhängig wirkende Bremsen

Dieses Zubehör ist in der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) vorgeschrieben – und es gilt genauso für die Fahrräder von Erwachsenen!

Die meisten kleinen Kinder radeln allerdings mit anderen Rädern, so genannten Spielfahrrädern, an denen das eine oder andere Attribut fehlt. Auch zu diesen „Kinderfahrrädern“ äußert sich die StVZO: Sie sind keine richtigen Fahrräder – und deshalb dürfen Kinder mit ihnen nicht auf der Straße, sondern nur in verkehrsberuhigten Bereichen wie einer Spielstraße oder in „Schonräumen“, das heißt auf dem Spielplatz oder Schulhof fahren.

Gleich ob richtiges Fahrrad oder Spielrad – es gilt der Grundsatz, dass Fahrrad und Kind zueinander passen müssen. Um die Stabilität der Kinder beim Fahren zu erhöhen, raten wir den Eltern darauf zu achten, dass das Kind mit beiden Beinen den Boden erreicht, wenn es auf dem Sattel sitzt. Damit das Kind aufrecht sitzt und besser sehen kann, sollte der Lenker höher eingestellt sein als der Sattel. Die Kette sollte unter einem geschlossenen Kettenschutz verborgen sein. Vor der Fahrt sollten die Eltern sich versichern, dass sowohl die Rücktrittbremse als auch die Handbremse einwandfrei funktionieren.

Gerade bei unsicheren Kindern sollte der vordere Teil des Rades keine scharfen Kanten aufweisen – hilfreich ist, wenn der Lenker mit einer Polsterung versehen ist, um im Falle eines Falles schwerere Brust- oder Kopfverletzungen zu vermeiden. Gönnen Sie Ihrem Kind breite und trittsichere Pedale!

Ab wann kann ein Kind den Schulweg schon alleine bewältigen? Oder ist es sicherer, das Kind mit dem Auto zur Schule zu fahren?

Erstklässler müssen für den Weg in die Schule gut vorbereitet sein. Deshalb raten wir den Eltern, den Weg zur Schule oder zum Schulbus mit ihren Kindern zu trainieren. Das bedeutet: Gemeinsames Ablaufen des Weges kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs, am Ende der Sommerferien, und am besten wochentags morgens zur „Realzeit“,  denn da ist das Verkehrsaufkommen anders als an einem Sonntagnachmittag. Ein Spaziergang reicht nicht; das Schulwegtraining muss sicherlich fünf bis zehn Mal durchgeführt werden – das ist je nach Kind verschieden.

Bevor Sie mit dem Schulwegtraining beginnen, sollten sie den besten Weg zur Schule herausfinden. Der beste Weg ist nicht unbedingt der kürzeste – wenn auf dem kürzesten Weg schwierige oder unübersichtliche Verkehrssituationen bestehen, kann ein kleiner Umweg, beispielsweise über eine Parallelstraße, ein großes Plus an Sicherheit bringen.

Als Eltern sollten Sie folgende Punkte beherzigen:

- Besprechen Sie alle Gefahrenpunkte, die Ihrem Kind auf der Strecke begegnen.

- Üben Sie alle schwierigen Situationen einzeln. Ihr Kind nimmt jede Situation anders wahr. Konkretes Verhalten und Aufpassen bezieht Ihr Kind auf eine bestimmte Situation und überträgt dieses Verhalten nicht automatisch auf eine andere Straße.

- Zeigen Sie Ihrem Kind, wo es die Straße überqueren soll, zum Beispiel an Ampeln, Mittelinseln, Zebrastreifen oder Überwegen, die von Schülerlotsen gesichert werden.

- An Ampeln müssen Eltern die Aufmerksamkeit auch auf abbiegende Fahrzeuge richten! Kinder müssen lernen am Zebrastreifen zu warten, bis eine ausreichende Lücke im Verkehr entsteht und erst losgehen, wenn alle Fahrzeuge stehen!

- Ihr Kind muss wissen, dass der abgesprochene Weg verbindlich ist. Es darf nur dort gehen und nicht anderswo.

- Führen Sie einen Rollentausch durch, und lassen Sie sich von Ihrem Kind zur Schule führen. So stellen Sie fest, ob es alles verstanden hat.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind alles verstanden hat und sich an die Vereinbarungen hält, kann es seinen Schulweg allein gehen. Schicken Sie es morgens rechtzeitig los, damit es nicht unter Zeitdruck kommt und unachtsam wird. Und in der dunkleren Jahreszeit bieten ihm helle und reflektierende Kleidungsstücke mit einem entsprechenden Schulranzen ein gutes Stück „passiver“ Sicherheit.

Die Teilnahme am Straßenverkehr mit allen seinen Risiken ist ein Stück Lebenserfahrung, die unsere Kinder mit dem Schulbeginn machen müssen. Bieten Sie Ihrem Kind die Möglichkeit und unterstützen Sie es darin. Lassen Sie Ihr Auto stehen – das „Elterntaxi“ schränkt den Radius für eigene Erfahrungen ein. Zudem sind Kinder, die sich vor Unterrichtsbeginn bewegt haben, konzentrationsfähiger und können dem Unterricht besser folgen.

Sehr hilfreich ist übrigens ein Schulwegplan, auf dem Hinweise auf gefährliche Stellen vermerkt sind. Eltern erhalten den Schulwegplan von der jeweiligen Schule oder der Stadtverwaltung.

Was kann man als Autofahrer tun, um gefährliche Situationen mit Kindern zu vermeiden?

Kinder zählen zu den schwächeren und deshalb besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Obwohl die Unfallzahlen seit einigen Jahren rückläufig sind, verunglückten im Jahr 2011 noch immer 5.732 Kinder unter sechs Jahren im Straßenverkehr – 29 wurden dabei sogar getötet.

Auffallend ist bei dieser Altersgruppe, dass rund 60 Prozent der Kinder als Mitfahrer im Pkw verunglücken. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder im Pkw in einem altersgerechten Kinderrückhaltesystem mitfahren und bei jeder Fahrt angeschnallt sind. Dafür tragen die Eltern – die Autofahrer – die Verantwortung.

Mit der Einschulung vergrößert sich der kindliche Mobilitätsradius. Das spiegelt sich leider in den Unfallzahlen wider: Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren verunglücken zu 34 Prozent als Fußgänger, zu 26 Prozent als Fahrradfahrer und zu 36 Prozent als Mitfahrer im Pkw. Besonders häufen sich die Unfälle morgens zu Schulbeginn zwischen 8:00 und 9:00 Uhr und nach Schulschluss zwischen 13:00 und 14:00 Uhr sowie zur Hauptverkehrszeit zwischen 16:00 bis 18:00 Uhr.

Wir appellieren daher an Autofahrer, die Geschwindigkeitsbegrenzung insbesondere im Umfeld von Schulen unbedingt einzuhalten, eher noch weiter zu drosseln. Seien Sie hier, genauso wie an Spielstraßen, Bushaltestellen oder Kindergärten noch vorsichtiger und rechnen Sie damit, dass Kinder ganz plötzlich auf die Straße laufen, wenn sie beispielsweise in ein Spiel versunken sind und den Verkehr vergessen.

Wie werden die Verkehrssicherheitstrainings der DVW in KiTas angenommen?

Kinder-Verkehrswochen und Verkehrssicherheitstage sind beliebt und bewährt, aber sie sind die „Leuchttürme“, die aus einer regelmäßigen Verkehrserziehung ragen, die sichtbar werden. Die eigentliche Verkehrserziehung findet im Steten statt, gemäß dem pädagogischen Grundsatz „Übung macht den Meister“.

Die Kinder nehmen die Angebote sehr gern an – denn es ist eine sehr spielerische, situations- und kindgerechte Vorgehensweise, die wir empfehlen. Es sind Spiele, die allgemeine Fähigkeiten und Fertigkeiten schulen, wie z.B. Malstunden, in denen Verkehrssituationen zum Thema gemacht werden, oder auch Singspiele und Lieder rund um den Verkehr. An solchen Aktivitäten nehmen fast alle Kinder begeistert teil, die Verkehrserziehung wird sozusagen „subkutan“ mitgeliefert.

Die Gefahren des Straßenverkehrs einschätzen können Vorschulkinder deshalb aber leider noch nicht. Das Gefahrenbewusstsein und ein entsprechend vorausschauendes Verhalten bilden sich erst viel später heraus. Daher ist Verkehrserziehung auch ein Thema für Lehrer und Schulen.

Nichtsdestotrotz wird der Grundstein für ein Verständnis von „Straßenverkehr“ im Kindergarten gelegt. Antworten auf Fragen wie: wo darf ich gehen, wo darf ich Rad fahren, wer ist denn sonst noch auf der Straße, was machen die anderen, was kann ich tun, um mich nicht in Gefahr zu bringen, etc. bilden die Basis, auf dem die weitere Verkehrserziehung aufbaut. So lernen Kinder im Laufe der Jahre, dass die Straße ein sozialer und kommunikativer Raum ist, der nach gewissen Regeln verläuft – und wir hoffen, dass sie zu sicheren Verkehrsteilnehmern werden, die auf ihre eigene und die Unversehrtheit anderer Menschen Acht geben.

Hannelore Herlan ist Pressesprecherin der Deutschen Verkehrswacht

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